Heizkostenvergleich Gasheizung vs. Klimaanlage

Verfasst von

in

Heizen mit Klimaanlagen? Machen wir in unserem Einfamilienhaus seit nun genau einem Jahr, und es funktioniert. Ein persönlicher Erfahrungsbericht. Subjektiv, aber radikal ehrlich.

Was ist eine Klimaanlage?

Klimaanlagen sind Wärmepumpen. Wärmepumpen entziehen an einem Außengerät einem Medium (z. B. Luft/Wasser/Sole) Wärmeenergie und übertragen diese über einen Innengerät an einen anderen Wärmeträger (meist Luft oder Wasser). Die in der aktuellen Berichterstattung am häufigsten erwähnten Geräte entziehen der Aussenluft Wärme und geben diese an den Wasser-/Heizkreislauf des Gebäudes ab. Hierüber werden dann z. B. die Fussbodenheizung, oder auch die klassischen Wandheizkörper erwärmt (die dann die Innenluft erwärmen).

Eine Klimaanlage nimmt die der Aussenluft entnommene Wärme und gibt diese direkt an die Innenluft des zu beheizenden Raumes ab, ganz ohne „Zwischenmedium“. Ein Rohrleitungssystem für das Heizungswasser wird nicht benötigt. Allerdings brauchen die Innengeräte hierzu neben dem Wärmetauscher ein Gebläse, das die Wärme im Raum verteilt (was einen gewissen Luftzug und je nach Leistungseinstellung auch Geräusche verursacht). Der Kreislauf der Geräte kann auch umgedreht werden. Soll heißen: Man kann heizen und kühlen, einfach durch Wahl der entsprechenden Einstellung an der Fernbedienung bzw. in einer App.

Situation bei uns

Wir betreiben zur Beheizung von 142 m² 5 Innengeräte an 2 Außengeräten (sog. Multisplit-Anlage) des Herstellers Daikin. Die Steuerung (Temperatur/Betriebsmodus/etc.) erfolgt vorzugsweise über die App des Herstellers, ist aber auch per Fernbedienung möglich (wie manche das vielleicht aus dem Urlaub kennen). In unserem Fall haben wir per App Zeitpläne eingerichtet, die je nach Bedarf die Räume zu entsprechenden Zeitpunkten erwärmen und während der Abwesenheitszeiten die Anlagen wieder abschalten. Zusätzlich ist es möglich, die Geräte in ein Smarthome einzubinden und so noch feiner, z. B. in Abhängigkeit der Aussentemperatur, anzusprechen. Hiervon machen wir zur Zeit allerdings keinen Gebrauch. Für Interessierte: Systeme wir openHAB oder Home Assistant bieten reichlich Möglichkeiten für allerlei Spielereien.

Was wir schnell gemerkt haben: Allein die Zeitpläne der App bieten sehr vielfältige Möglichkeiten der Optimierung. So haben wir unser Heizverhalten und den Bedarf an warmen Räumen sehr genau über die Einstellungen abgebildet. Die Küche heizt z. B. morgens um 05:45 Uhr auf 20 Grad auf, gegen 07:15 Uhr schalten die Geräte wieder ab. Erst mittags wird dann wieder geheizt. Nachts sind die Anlagen meist aus (ausser an sehr kalten Tagen).

Die Geräuschentwicklung durch die Gebläse wirkte anfangs irritierend, nach wenigen Tagen hatten wir uns daran aber gewöhnt. Werden die Geräte als zu laut wahrgenommen, lässt sich ein Flüsterbetrieb einstellen, der zwar weniger heizt, dafür die Anlage aber fast unhörbar macht. Der Luftzug stört hin und wieder in der Küche, da hierbei z. B. die Dämpfe beim Kochen an der Dunstabzugshaube „vorbeigeblasen“ werden. Auch hier hilft allerdings der Flüstermodus.

Alles in Allem können wir mit den Veränderungen (Luftzug/Geräusche) sehr gut leben, die Anlagen funktionieren zudem einwandfrei. Räume lassen sich in kürzester Zeit auf wohnliche 20 Grad aufheizen, was mit den alten Heizkörpern nur mit starker Zeitverzögerung möglich war. Und ein riesiger Komfortgewinn, der für uns anfangs kein großes Gewicht hatte: Wir können im Sommer kühlen und entfeuchten, was die Lebensqualität gerade an sehr heißen Tagen enorm steigert.

Heizkosten

Die für mich spannendste Frage war aber bisher: wie entwickeln sich die Kosten im Vergleich zur alten Gasheizung? Auch hier haben wir ein recht modernes Brennwertgerät, welches nach wie vor die Warmwasserbereitung übernimmt. Die Ergebnisse liegen nun für 1 Jahr vor, die Zahlen lauten wie folgt:

Das Warmwasser (WW) wird wie bisher per Solar und Gas erwärmt. Jahresbedarf hierfür ca. 3000 kWh Gas, bei aktuellem Gaspreis ca. 360€/Jahr.
Für den Wärmebedarf der 142 m² brauchten wir im letzten (Gas)-Jahr 13.886 kWh Gas, was bei 12 ct pro kWh 1666€ an Heizkosten entspricht. Die Klimaanlagen benötigten für ein Jahr Heizen hingegen lediglich 2250 kWh Strom, was bei unserem Strompreis Heizkosten in Höhe von 588€ verursachte.
Mit Einberechnung des WW hatten wir vor der Umstellung Kosten von 2026€, nun bleiben noch 948€ (vorher Heizen/WW: 16886 kWh Gas, nachher Heizen 2250 kWh Strom + WW 3000 kWh Gas). Mit einer so deutlichen Reduktion des Energiebedarfs hatte ich nicht wirklich gerechnet! Allerdings hinkt der direkte Vergleich gleich mehrfach, da eine so enorme Veränderung nicht alleine durch die effiziente Technik erklärt werden kann:

  1. Die Temperaturverläufe der Jahre habe ich nicht verglichen, so ist es möglich dass vorangegangene Jahre kälter/wärmer waren. Daraus würden veränderte Verbrauchswerte resultieren.
  2. Unser Heizverhalten hat sich durch die Nutzung der neuen Anlage wie bereits angedeutet stark verändert, wir gehen nun viel bewusster mit Wärme und Energie um. Ich denke, hierbei handelt es sich um den größten Faktor.
  3. Den Strombedarf des Gasheizung und notwendigen Pumpen habe ich nicht in meine Rechnung mit einbezogen
  4. Der noch bestehende Holzofen wurde im letzten Jahr fast gar nicht mehr genutzt, während er in den Vorjahren recht häufig in Betrieb war.

Fazit

Zunächst bedeuten diese Zahlen eine enorme Einsparung an Energie und Kosten. Im Zuge einer vorangaloppierenden Klimakrise sicher eine gute Nachricht.
Als direkte Konsequenz steht für uns nun schon fest, das wir auch mit der Warmwasserbereitung vom Gas wegkommen wollen. Auch hier gibt es die Möglichkeit, mit Hilfe von Brauchwasserwärmepumpen Energie zu sparen.
Zudem werden wir, sofern noch weitere Räume im Gebäude beheizt werden sollen, zukünftig weiter auf Klimageräte setzen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand:

  1. Geringer Aufwand für die Umrüstung
  2. Günstiger als der Umbau auf eine „große“ Luft/Wasser Wärmepumpe
  3. Unkompliziert und schnell Heizen UND Kühlen
  4. Sehr geringer Energieverbrauch
  5. und mir persönlich gefallen sogar die Aussengeräte