{"id":82,"date":"2026-06-06T19:24:59","date_gmt":"2026-06-06T17:24:59","guid":{"rendered":"https:\/\/danielmoelders.de\/?p=82"},"modified":"2026-06-07T06:47:50","modified_gmt":"2026-06-07T04:47:50","slug":"kopfsalat-part-1-to-show-up","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/danielmoelders.de\/?p=82","title":{"rendered":"Kopfsalat, Part 1: to show up"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer sind wir, wer bin ich? Was zeichnet mich aus? Was zeige ich davon und was nicht? Was halte ich zur\u00fcck und warum? Was bringt mich dazu, Dinge preiszugeben, zu zeigen, zu mir und meinen Meinungen, W\u00fcnschen, Interessen und vor Allem: meinen Werten und Bed\u00fcrfnissen zu stehen? In der Konsequenz damit auch f\u00fcr mich einzutreten und mich nicht hinter einer Fassade zu verstecken? Fragen, die wir uns meiner Meinung nach \u00f6fter stellen sollten, ergeben sich daraus doch Konsequenzen wie wir Gemeinschaft, Freundschaften, Beziehungen, berufliche Kontexte und vieles mehr leben. F\u00fcr mich sind diese Fragen eng mit dem Begriff der Wertsch\u00e4tzung und dem Gef\u00fchl der Scham verbunden.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich durfte diesen Mittwoch im Rahmen des Studiums einmal mehr die Erfahrung machen, was es hei\u00dft, in einem wertsch\u00e4tzenden, respektvollen Umfeld zu sein. Lernen, was es hei\u00dft, wirklich zuzuh\u00f6ren, echtes Interesse f\u00fcr Geschichten und Erz\u00e4hlungen des Gegen\u00fcber zu entwickeln. Wie es sich anf\u00fchlt, wenn einem mit Ausdauer und Fokus zugeh\u00f6rt wird. Wie etwas  &#8222;weich&#8220; wird, wenn ich gesehen werde und mit Mitgef\u00fchl anderen zuh\u00f6re, wie ich mich \u00f6ffne und Gef\u00fchle der Zugeh\u00f6rigkeit und Verbindung empfinde. Der Austausch, der mir zeigt, Teil eines Ganzen, einer Gemeinschaft zu sein. Einfach zu sein. Als f\u00fchlendes Individuum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erfahrungen, wie sie nicht selbstverst\u00e4ndlich sind. Leider. (Ab-)wertung, Geringsch\u00e4tzung und Desinteresse sind nicht selten an der Tagesordnung. Vielleicht hat man in Gespr\u00e4chen, bei der Arbeit oder in der Familie das Gef\u00fchl, nicht wirklich wahrgenommen und gesehen zu werden. Damit einhergehend Gef\u00fchle der Ablehnung und Entt\u00e4uschung, Wut, Trauer und Einsamkeit. Desinteresse und R\u00fcckzug k\u00f6nnen die Folge sein, aber auch Aggression und Arroganz. Man zeigt sich nicht mehr. Das Gef\u00fchl der Scham.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-text-subtitle is-style-text-subtitle--1 wp-block-paragraph\">Scham<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das schmerzhafte Gef\u00fchl, falsch zu sein. Nicht was ich tue ist falsch: das w\u00e4re Schuld. Scham kann in manchen F\u00e4llen bedeuten: Ich f\u00fchle mich fehlerhaft, falsch, nicht liebenswert. Ich ziehe mich zur\u00fcck, zeige mich nicht. Werde leise. Spreche nicht. Nicht, weil ich kein Interesse habe, sondern weil ich vielleicht weitere Ablehnung f\u00fcrchte. Um die Scham nicht sp\u00fcren zu m\u00fcssen zeigen Menschen laut dem Sozialwissenschaftler Stephan Marks ein buntes Potpourri aus Abwehrstrategien: Arroganz, Perfektionismus, Aggression, R\u00fcckzug, etc.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sozialpsychologisch zeigt sich eine weitere fatale und Folge von Scham: Das Abw\u00e4lzen des Gef\u00fchls durch Besch\u00e4mung und Abwertung auf Minderheiten und marginalisierte Gruppen, Mitsch\u00fclerInnen (meist Opfer von Mobbing) und Aussenseiter. Marks bezeichnet diese als &#8222;Schamb\u00f6cke&#8220;. Auch hier dient das Verhalten der Abwehr der eigenen Scham und dem Ziel, den eigenen Selbstwert auf Kosten Dritter zu erh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-text-subtitle is-style-text-subtitle--2 wp-block-paragraph\">Wertsch\u00e4tzung<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wertsch\u00e4tzung ist f\u00fcr mich das Gegenmittel gegen die Scham. Wirkt gegen die Angst, sich zu zeigen, in sozialen Kontexten sichtbar zu werden. Wertsch\u00e4tzung bedeutet, dass ich mein Gegen\u00fcber als ganzes Individuum wahrnehme, versuche die Person in positivem Licht zu sehen und Gemeinsamkeiten wahrzunehmen, ihr mit Respekt und Anerkennung zu begegnen. In diesem Sinne ist es auch eine mitf\u00fchlende Haltung anderen Menschen gegen\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wird mir mit Wertsch\u00e4tzung begegnet, \u00f6ffne ich mich. Die Hemmungen, meine Meinungen, Interessen und vor Allem Werte und Bed\u00fcrfnisse zu \u00e4u\u00dfern, fallen. Ich zeige mich eher mit meinen Fehlern und Schw\u00e4chen. Meiner Pers\u00f6nlichkeit, meinen Erfahrungen und Pr\u00e4gungen, meinen Sichtweisen. Wirke damit im Umkehrschluss auf mein Gegen\u00fcber oft nahbarer, menschlicher. Echter und tiefer gegenseitiger Austausch wird erleichtert, Differenzen werden schnell kleiner, wenn die Gespr\u00e4chspartner bereit sind, \u00fcber ihre Bed\u00fcrfnisse zu sprechen. Gemeinsamkeiten werden sichtbar. Scham schwindet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb das Schwein mit dem bunten Ohr als Titelbild. Wir alle haben Dinge an und in uns, die wir nicht gerne zeigen, f\u00fcr die wir uns vielleicht sogar sch\u00e4men. Das bunte Ohr, was wir so oft &#8222;unter einer M\u00fctze&#8220; verstecken. Die Dinge, die uns einzigartig machen, unverwechselbar. Wundersch\u00f6n und gleichzeitig verletzlich. Menschlich. Der Kontext und das soziale Umfeld entscheiden mit, in wie weit wir zu uns stehen und uns \u00f6ffnen, uns zeigen und f\u00fcr uns einstehen wollen und k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/danielmoelders.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_20260606_1453592-1024x768.jpg\" alt=\"Schwein mit M\u00fctze\" class=\"wp-image-91\" style=\"aspect-ratio:1.3333334212074404;width:308px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/danielmoelders.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_20260606_1453592-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/danielmoelders.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_20260606_1453592-300x225.jpg 300w, https:\/\/danielmoelders.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_20260606_1453592-768x576.jpg 768w, https:\/\/danielmoelders.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_20260606_1453592-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/danielmoelders.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG_20260606_1453592-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das Schwein, dass sich nicht zeigen will<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"is-style-text-subtitle is-style-text-subtitle--3 wp-block-paragraph\">Beispiel<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In meiner Geschichte ist ein Adjektiv sehr negativ konnotiert: H\u00e4ufig wurden meine Aussagen in der Kindheit, aber auch als Erwachsener im privaten wie im beruflichen Kontext als &#8222;naiv&#8220; abgewertet, anstatt meine Vorstellungen und Denkweisen als Bereicherung zu betrachten, als zwar abstrakten aber kreativen neuen Weg. In der Konsequenz habe ich es h\u00e4ufig vermeiden, meine Meinungen und Vorstellungen offen auszusprechen, aus Angst vor weiterer Ablehnung. Scham hinderte mich daran, der Kopf war oft leer. Im Laufe der Jahre lernte ich einen Umgang hiermit und kann die Bewertung heute als das nehmen, was sie oft einfach nur ist: Ein billiger Versuch, den eigenen Selbstwert auf Kosten des Gegen\u00fcber zu steigern. Manchmal auch das Unverm\u00f6gen, \u00fcber Themen in einer gewissen Tiefe sprechen zu k\u00f6nnen oder zu wollen. Das Gesagte sagt oft mehr \u00fcber den Sender aus, als \u00fcber den Empf\u00e4nger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, die Bedeutung des Wortes umzudeuten: Hin zu Unvoreingenommeheit. Zu Offenheit und Neugier, heute Teil meiner Kernwerte. Ich stellte fest, dass es sehr wohl Umgebungen gibt, in der meine Art zu denken sehr gesch\u00e4tzt, ja sogar gefragt ist. In der Arbeit mit Menschen beispielsweise, wo es oft auf unkonventionelle, kreative L\u00f6sungen ankommt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-text-subtitle is-style-text-subtitle--4 wp-block-paragraph\">Und jetzt?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich m\u00f6chte mit diesem Beitrag daf\u00fcr werben, die Art und Weise, wir wir mit unseren Mitmenschen umgehen, zu \u00fcberdenken. Das betrifft den privaten Bereich, aber auch das gesamtgesellschaftliche Umfeld: Wertungen sind an der Tagesordnung, bis in die h\u00f6chsten Ebenen der Politik. Aussagen \u00fcber Gefl\u00fcchtete, Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen, die vermeintlich nicht leistungsf\u00e4hig genug sind, Leistungsbezieher jeglicher Couleur. Ich k\u00f6nnte diese Liste fortsetzen. Es ist kein guter Stil, Politik nur mit Druck zu machen, den Wert des Menschen an dessen Leistungsf\u00e4higkeit zu bemessen. Das ist pure Besch\u00e4mung von gesellschaftlichen Gruppen und f\u00fchrt in der Konsequenz zu R\u00fcckzug, weniger Bereitschaft zur Beteiligung an gesamtgesellschaftlichen Zielen. Diese Menschen wird man verlieren, eine gemeinsame Wertebasis wird so nicht zu halten geschweige denn zu erreichen sein. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Gegenentwurf k\u00f6nnte eine wertsch\u00e4tzende Kommunikation sein. Anerkennen, dass wir alle Individuen sind. Wertvoll, unabh\u00e4ngig von Leistungsf\u00e4higkeit. Nicht nur an unserer kapitalistischen Verwertbarkeit gemessen werden. R\u00e4ume schaffen, in denen Vielfalt und Diversit\u00e4t und nicht Anpassung und Konformit\u00e4t als Werte gesehen werden. Wir wieder lernen, das Sichtbarkeit und Andersartigkeit nicht bedrohlich, sondern eine Bereicherung sein k\u00f6nnen und wir damit einhergehend kreative und einzigartige L\u00f6sungen f\u00fcr gesellschaftliche und politische Probleme unserer Zeit finden d\u00fcrfen und sollten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Bereichen, die wir direkt beeinflussen k\u00f6nnen, unsere privaten und beruflichen Beziehungen, bieten sich direkt und sofort Chancen und Potentiale f\u00fcr uns und unsere Mitmenschen, f\u00fcr unser Miteinander. Wenn wir<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>einander wirklich zuh\u00f6ren<\/li>\n\n\n\n<li>versuchen nicht zu werten<\/li>\n\n\n\n<li>die Motivation aufbringen, den Gegen\u00fcber zu verstehen<\/li>\n\n\n\n<li>vielleicht sogar in manchen Kontexten weitere Elemente des aktiven Zuh\u00f6rens anwenden<\/li>\n\n\n\n<li>Mitgef\u00fchl aufbringen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">entstehen R\u00e4ume, in denen wir akzeptiert werden und uns gesehen f\u00fchlen d\u00fcrfen, wenn wir das wollen. Erkennen vielleicht sogar, dass wir keiner Version von irgendwem entsprechen m\u00fcssen, um dazu zugeh\u00f6ren. Wir reduzieren Stress, verbrauchen weniger Energie, Zeit und Ressourcen f\u00fcr Anpassung. Sehen Gemeinsamkeiten, erkennen uns mit unseren Bed\u00fcrfnissen im Gegen\u00fcber. Spiegeln einander, ohne Angst vor Ablehnung. Ich halte es in der Tat f\u00fcr m\u00f6glich, uns so zu begegnen. Eine Herausforderung, sicher. Aber w\u00fcnschenswert.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">P. S.: Ich w\u00fcrde gerne eine ganze Reihe &#8222;Kopfsalat&#8220; machen, daher im Titel auch &#8222;Part 1&#8220;. Die Themen stehen noch nicht wirklich fest, reizen w\u00fcrde mich jedoch eine Fortsetzung \u00fcber psychologische Grundbed\u00fcrfnisse, Verantwortungs\u00fcbernahme im Zusammenhang mit autorit\u00e4ren Strukturen oder auch der Auswirkung des Kapitalismus auf die Psyche (anhand der wir ich finde wirklich lesenswerten Artikel von Karim Bettache). Allerdings merke ich, dass ich im Schreiben wenig ge\u00fcbt bin und recht lange f\u00fcr einzelne Textpassagen brauche. Also: Mal sehen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer sind wir, wer bin ich? Was zeichnet mich aus? Was zeige ich davon und was nicht? 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