{"id":166,"date":"2026-07-08T20:44:10","date_gmt":"2026-07-08T18:44:10","guid":{"rendered":"https:\/\/danielmoelders.de\/?p=166"},"modified":"2026-07-09T10:25:58","modified_gmt":"2026-07-09T08:25:58","slug":"kopfsalat-part-3-betriebssystem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/danielmoelders.de\/?p=166","title":{"rendered":"Kopfsalat, Part 3: Betriebssystem"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was treibt uns an? Worauf wollen wir, wenn unser Leben sich dem Ende neigt, zur\u00fcckblicken? Was w\u00fcrden wir tun, wenn niemand zusehen, uns bewerten w\u00fcrde? Was macht uns Freude? Was hat unsere Augen zum Leuchten gebracht, bevor wir in die Schule kamen? Sind wir, zumindest ab und an, zufrieden mit der Art, wie wir leben? Und falls nicht, was hindert uns, das zu \u00e4ndern?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vermutlich sind diese Fragen unangenehm, leuchten sie doch an Stellen, die wir gerne im Dunkeln lassen. Geben die Antworten doch Hinweise darauf, wie wir &#8222;eigentlich&#8220; (wieder dieses Wort) leben wollten, sollten. Wie es sein m\u00fcsste&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gef\u00fchl, was sich vielleicht einstellt, wenn uns bewusst wird, dass unsere Werte, \u00dcberzeugungen und Handlungen in Widerspruch zueinander oder zu neuen Informationen stehen, nannte Leon Festinger &#8222;Dissonanz&#8220;(Miller et al., 2017). Sehr unangenehm, dass wollen wir nicht f\u00fchlen. Und so haben wir Verhaltensweisen entwickelt, wie wir damit umgehen k\u00f6nnen. Dissonanzreduktion, also unser Bem\u00fchen, den inneren Spannungszustand zu reduzieren, kann sich auf unterschiedliche Weise zeigen. Wir neigen zum Beispiel zur Aufwertung konsonanter (passender) und Abwertung dissonanter (unpassender) Informationen. Was passt zu unserem Weltbild, was nicht? Zeigt sich \u00dcbereinstimmung, werden Informationen beachtet und intergriert. Passen diese nicht, neigen wir zur Abwertung der Quelle oder schenken dem Widerspr\u00fcchlichen weniger Zeit und Ressourcen, spielen diese herunter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vollkommen nat\u00fcrliche und wichtige Vorg\u00e4nge, ohne w\u00e4ren wir vermutlich nicht lebensf\u00e4hig. Dissonanzreduktion dient dem Schutz unseres Selbstbildes, befriedigt unsere Bed\u00fcrfnisse nach Sicherheit und Vorhersagbarkeit. Wir wollen glauben, dass wir gut und richtig handeln. Und vielleicht gerade deswegen macht uns unser Streben nach Dissonanzreduktion so anf\u00e4llig f\u00fcr Manipulation&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wirklich? Ich denke ja. Werfen wir einen Blick in unsere aktuelle gesellschaftliche und politische Situation: Viele sp\u00fcren, dass etwas in Bewegung ger\u00e4t. Und zwar in eine Richtung, die nicht gef\u00e4llt, den globalen Herausforderungen nicht ad\u00e4quat begegnet. Die wahren Probleme ungel\u00f6st l\u00e4sst, diese gar verst\u00e4rkt. Schlicht falsch ist. Und dennoch funktionieren wir weiter, spielen das Spiel mit. Sp\u00fcren zwar den Widerspruch, lassen uns aber darauf ein, weil die pr\u00e4sentierten L\u00f6sungen auf den ersten Blick als alternativlos erscheinen. So neigen wir vielleicht dazu, Kritik nicht laut werden zu lassen. Passen uns weiter an. Denn was w\u00e4re die Alternative? Protestieren? Aus dem Hamsterrad des immer weiter, immer schneller, immer produktiver, auszusteigen? Sicher w\u00e4re das ein konstruktiver Weg, der auch der Dissonanzreduktion dient (Verhaltens\u00e4nderung), allerdings ist dieser steinig und mit Unsicherheit verbunden, und die mag unser Gehirn so gar nicht. Also \u00fcbernehmen wir Narrative, passen uns dem gesellschaftlichen Konsens an (Aufwertung konsonanter Information). Reden uns selber ein, dass es so richtig ist. Protestieren vielleicht im Stillen, wahren aber die Contenance. Negieren und verdr\u00e4ngen (Abwertung dissonanter Information) unsere W\u00fcnsche und Sehns\u00fcchte, die wir vielleicht schon seit Jahren nicht mehr richtig sp\u00fcren. Nach Verbindung, Wirksamkeit, Freude, Zugeh\u00f6rigkeit, Liebe, wahrgenommen und wertgesch\u00e4tzt werden. Die Liste lie\u00dfe sich fortsetzen. Wir legen uns Erkl\u00e4rungen zurecht. Weil die Welt nun mal so sei. Wo k\u00e4men wir denn da hin, wenn wir alle&#8230; man m\u00fcsse leisten, die eigenen Freir\u00e4ume verdienen, sonst funktioniere die Leistungsgesellschaft nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Leistungsgesellschaft. Was soll das sein? Das gro\u00dfe Unget\u00fcm. Wird gerne angef\u00fchrt, um den Sozialstaat weiter auf Kosten der Schw\u00e4chsten aush\u00f6hlen zu k\u00f6nnen. Von Jenen, die nicht von den massiven Einschnitten betroffen sind. Don\u00b4t look up. Schaut nach unten, oben gibt es nichts zu sehen. Bek\u00e4mpft euch gegenseitig, tretet nach unten, wir machen derweil weiter, wie gehabt. Reiten das Pferd, bis die Knochen zu Staub zerfallen sind. Und hinterfragen das gesellschaftliche Betriebssystem nicht: Kapitalistische Strukturen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei ist die Kritik, auch aus der Psychologie, laut. Nur: wir nehmen es kaum wahr. Dissonante Information, lass mich mein Leben einfach so lange weiterleben, wie es geht. Ich will das nicht wissen. Noch geht es ja&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Psychologe Karim Bettache (2026) beschreibt in seinem Artikel &#8222;The crisis we are not naming: The psychology of capitalism&#8220; eindrucksvoll, wohin uns unsere gegenw\u00e4rtige Gesellschaftsordnung zusteuern l\u00e4sst. Laut Bettache ist Kapitalismus das Betriebssystem, dass unser Erleben, die Art wie wir Zusammenleben, steuert und erschafft, bewertet. Ein kultureller Mechanismus. Aber auch ein System, dass sich unsichtbar macht, oft nicht mitgedacht wird, auch in der Psychologie, gerade wenn es um die Genese psychischer Erkrankungen geht. Eine Struktur, die Verantwortlichkeit verschleiert und dementsprechend schwer zu kritisieren ist. Alternativen Formen des Wirtschaftens undenkbar macht. Vielleicht als Analogie: Der Fisch im Glas, der seinen nat\u00fcrlichen Lebensraum nie gesehen hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bettache benennt 3 kapitalistische &#8222;Syndrome&#8220;, die uns wir ausgebildet haben, um unseren Selbstwert in individualistischen, kapitalitischen Systemen zu erzeugen. Glaubenss\u00e4tze, Werte und Verhaltensweisen, die uns eine Richtung vorgeben sollen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-text-subtitle is-style-text-subtitle--1 wp-block-paragraph\">Gain primacy syndrome<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Primat von Gewinn und Profit. Bereits in der Schule werden wir auf ein System des Wettbewerbs vorbereitet. Im sp\u00e4teren Leben lernen wir, uns als &#8222;Marke&#8220; zu verkaufen, uns st\u00e4ndig im Sinne der Gewinnmaximierung zu optimieren. Wir legen uns eine &#8222;unternehmerische Identit\u00e4t&#8220; zu. Laufen Trends hinterher, von denen wir glauben, dass sie unseren &#8222;Marktwert&#8220; steigern. Der Mensch als Produkt. Das Problem dabei: Wir neigen dazu, diese kognitiven Scripte, die wir im beruflichen Alltag anwenden, zunehmend auch auch zwischenmenschliche Beziehungen zu \u00fcbertragen. Was bringt mir eine Freundschaft, eine Partnerschaft, eine Familie? Komme ich damit meinen Lebenszielen n\u00e4her? Welchen Gewinn, welchen Mehrwert habe ich davon? Kapitalismus steuert hierbei durch kulturelle Schemata, was kognitiv verf\u00fcgbar und sozial belohnt wird. Unser Selbstwert wird mit Produktivit\u00e4t und \u00f6konomischem Nutzen verkn\u00fcpft. Es entsteht ein st\u00e4ndiger Optimierungsdruck. In der Folge nehmen Stress, Angst und Depressionen zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-text-subtitle is-style-text-subtitle--2 wp-block-paragraph\">Zero-sum rivalry syndrome<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Nullsummenspiel des Wettbewerbs. Wir beobachten st\u00e4ndig den Markt, an welchen Stellen Optimierungspotenzial besteht, setzen unsere Leistung zu denen anderer in Relation. Sp\u00e4testens mit Beginn der Schule beginnen f\u00fcr uns Vergleiche mit Mitsch\u00fclern, \u00fcber Benotungssysteme und Wettbewerbe. Das Problem dabei: Der st\u00e4ndige Vergleich f\u00fchrt zur Erosion von sozialen Beziehungen. Bindung ist aber ein zentrales menschliches Bed\u00fcrfnis und f\u00fcr unsere mentale Gesundheit von elementarer Bedeutung. In &#8222;marktorientierten&#8220; Systemen neigen Menschen eher dazu, den Erfolg anderer als bedrohlich wahrzunehmen, was wiederum gegenseitige Unterst\u00fctzung und Empathie erodieren l\u00e4sst. Auch hier sind die Folgen evident: Zunehmende psychische Erkrankungen, aber auch geringere Beziehungsqualit\u00e4t und niedrigeres Wohlbefinden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich mag die Bezeichnung &#8222;zero-sum rivalry&#8220;. Zeigt sich so doch mit einfachsten Worten, dass Wettbewerb in Summe keinerlei Gewinner hervorbringt. Beide Seiten strengen sich an, es kann aber per Definition <strong>nie genug<\/strong> sein. Der Konkurrent ist weiter? Ich ziehe nach, \u00fcberhole. Vice versa. Ein &#8222;Perpetuum mobile&#8220;. Sicherlich ein Faktor, der dazu f\u00fchrt, dass viele sich im Vergleich zu anderen stets als unzureichend, als nie gut genug wahrnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-text-subtitle is-style-text-subtitle--3 wp-block-paragraph\">Ownership syndrome<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Besitzsyndrom. Hierbei wird Besitz zentraler Bestandteil der eigenen Identit\u00e4t. Erinnerungen an Besitzt\u00fcmer sind leichter zug\u00e4nglich, eine Haben-Orientierung wird Teil des Selbstwerts. Erfolg wird \u00fcber (zuk\u00fcnftigen) Besitz definiert, Lebensziele werden mit materiellen Errungenschaften verkn\u00fcpft. Die m\u00f6glichen Folgen sind auch hier gut dokumentiert: Geringerer Selbstwert, mehr Angst und depressive Symptome. Substanzmissbrauch, geringere Lebenszufriedenheit. Die Fokussierung auf Konsum hat auch Auswirkungen auf soziale Beziehungen. So zeigen sich Menschen weniger kooperativ, haben weniger Vertrauen in Mitmenschen und zeigen weniger unterst\u00fctzendes Verhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Psychoanalytiker und Philosoph Erich Fromm (1976) nannte es die Haben-Orientierung. Vor 50 Jahren. Heute sind seine Thesen aktueller den je, die Folgen unserer Besitzorientierung, sofern wir hinsehen wollen, deutlich sichtbar. Wir sperren uns in unser eigenes Gef\u00e4ngnis, betrachten uns und unsere Mitmenschen durch die Brille der Verwertbarkeit, des Nutzens, des Besitzes. Vergleichen und werten uns st\u00e4ndig, anstatt uns selbst und unsere eigene Entwicklung in den Fokus zu r\u00fccken. Vergessen dar\u00fcber, wer wir sind. Was uns als Menschen ausmacht. Was wir brauchen, was unsere grundlegenden Bed\u00fcrfnisse sind. Was wir loslassen d\u00fcrfen und sollten. Hin zu einer Existenzweise frei von einer Akkumulation von Besitz (laut Fromm das &#8222;Sein&#8220;). Weg von zu viel Konsum, der letztlich nur bet\u00e4uben soll, uns die dysfunktionalen, zerst\u00f6rerischen Strukturen ertr\u00e4glicher erscheinen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Studium habe ich zur Zeit das Privileg, Gastvorlesungen aus Namibia sehen und h\u00f6ren zu d\u00fcrfen. Thema sind u. A. gesundheitspsychologische Fragestellungen, wie z. B. Krankheit in Afrika kognitiv repr\u00e4sentiert wird. Welche Folgen sich daraus f\u00fcr die Menschen vor Ort ergeben. Der Dozent nimmt dabei explizit Mechanismen in den Fokus, die auch Bettache beschreibt: Wettbewerb und der Vergleich von Besitzt\u00fcmern, f\u00fchre zu mehr Stress, Angst und Depression, gerade in Afrika sei dies in den letzten Dekaden zu beobachten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wann ist denn genug? Wann reicht es? Haben wir unsere eigenen Lebenspl\u00e4ne, unsere Bed\u00fcrfnisse so weit aus den Augen verloren, dass wir gar nicht merken, dass wir l\u00e4ngst \u00fcber das Ziel hinausgeschossen sind? Letztlich kann es ein immer weiter, schneller, besser, effektiver, usw. doch gar nicht geben. Wir sto\u00dfen l\u00e4ngst an Grenzen oder haben diese bereits \u00fcberschritten. Merken es nicht oder blenden es aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser System hat Grenzen. Das eigene, der K\u00f6rper, die Psyche. Unser Planet ebenso, die wir seit Dekaden \u00fcberschreiten. Ausbeutung planetarer Ressourcen, von Menschen innerhalb und au\u00dferhalb der &#8222;westlichen&#8220; Welt. Der Wettbewerb treibt uns \u00fcber das Nullsummenspiel in immer verr\u00fcckter wirkende Sph\u00e4ren. Die unreflektierte Nutzung und Ausbreitung von KI ist f\u00fcr mich ein erneutes Zeichen, das wir es immer noch nicht verstanden haben. Wann ziehen wir die Rei\u00dfleine? Hans Joachim Schellnhuber, der Gr\u00fcnder des Potsdam-Institut f\u00fcr Klimafolgenforschung (PIK), sagte in Bezug auf unsere unzureichenden Ma\u00dfnahmen in Bezug auf die menschengemachten Klimaver\u00e4nderungen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich sage Ihnen, dass wir unsere Kinder in einen globalen Schulbus hineinschieben, der mit 98 % Wahrscheinlichkeit t\u00f6dlich verungl\u00fcckt<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihren Ursprung haben unsere fehlenden Bem\u00fchungen u. A. in unserer Art zu wirtschaften. In den Strukturen, die wir zu wenig hinterfragen. Die eben nicht alternativlos sind, weil wir sie selbst erschaffen haben. In der gef\u00fchlten Notwenigkeit von Wachstum und Wettbewerb. Es ist Zeit f\u00fcr Ver\u00e4nderung. F\u00fcr uns, unsere Kinder. Unsere Mitmenschen. Auch gegen die Profiteure des status quo, die gerade massiv in den Abbau des gesellschaftlichen Zusammenhalts &#8222;investieren&#8220; und damit vermehrt Menschen in prek\u00e4re wirtschaftliche wie soziale Umst\u00e4nde treiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Also: Schauen wir uns nochmal die Fragen zu Beginn des Beitrags an. Und vielleicht \u00fcberlegen wir uns, ob es nicht Zeit ist, uns ein St\u00fcck weit von kapitalistischen Glaubenss\u00e4tzen, Mustern und Werten zu l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">PS:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Zitat mit Bezug zum &#8222;ownership syndrome&#8220; m\u00f6chte ich noch teilen. In der aktuellen Diskussion um Sparma\u00dfnahmen im Gesundheitswesen geht eine Meldung ziemlich unter: Und zwar versucht die Regierung aus CDU\/CSU und SPD gerade \u00fcber einen \u00c4nderungsantrag, die  Mindestverg\u00fctung f\u00fcr Psychotherapie-Sitzungen zu kippen. Dies w\u00fcrde vermutlich den Beginn des Endes psychotherapeutischer Versorgung f\u00fcr Kassenpatienten bedeuten. Freitag (10.07.26) soll der Antrag eingebracht werden. Die Folgen f\u00fcr Betroffene, sollte der Antrag durchkommen, m\u00f6chte ich mir gar nicht ausdenken. Der Psychotherapieverbund fragt dazu in einem offenen Brief dazu:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wohin wollen Sie zur\u00fcck?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(&#8230;)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur\u00fcck in eine Welt, in der psychisches Leid mit billiger Ablenkung durch Konsumprodukte beantwortet wird?<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Konsum als Bet\u00e4ubung. &#8222;Brot und Spiele&#8220; hie\u00df es bei den R\u00f6mern. Mit den Menschen, die sich nicht oder kaum wehren k\u00f6nnen, kann man es ja machen. in meinen Augen Machtmissbrauch, von ganz oben, unseren demokratischen Vertretern. Die sind schlie\u00dflich nicht betroffen, da wohl kaum jemand aus dieser Gruppe gesetzlich krankenversichert sein d\u00fcrfte. Es ist erb\u00e4rmlich. Ob die Ablenkung f\u00fcr Erkrankte funktionieren wird? Ich m\u00f6chte es bezweifeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anbei der <a href=\"https:\/\/www.psychotherapieverbund.de\/todesstoss\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Link<\/a> zum offenen Brief, den ihr alle unterschreiben k\u00f6nnt. Wenn ihr die M\u00f6glichkeit habt, unterzeichnet bitte. Die Zeit ist knapp.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">PPS (etwas l\u00e4nger):<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vermutlich wiederhole ich mich in meinen Beitr\u00e4gen, behandeln sie doch \u00e4hnliche, teils identische Inhalte. Ich komme immer wieder auf gewisse Themen zur\u00fcck, betrachtet nur aus leicht unterschiedlichen Perspektiven. Ich bin mir, wie ihr gerade lest, sehr bewusst. Ich erlebe die Welt im Moment als erschreckend kalt und teilnahmslos in Anbetracht der riesigen Herausforderungen, die vor uns liegen. Kollektive Verdr\u00e4ngung. Dissonanzreduktion, wie ich oben schrieb. Und wenn ich mich da wie eine Schallplatte mit Sprung anh\u00f6re, nehme ich das gerne in Kauf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie sollen wir, unsere Kinder und Enkel, auf diesem Planeten noch zurechtkommen, wenn wir die Lebensgrundlage in atemberaubenden Tempo zerst\u00f6ren? Und nicht nur das: Das Abdriften vieler Staaten in rechte, autorit\u00e4re Strukturen verhindert jedwede konstruktive, der Realit\u00e4t angemessene L\u00f6sung. Das Hauptproblem liegt f\u00fcr mich ganz klar bei den Menschen &#8222;in charge&#8220;. In Politik, Konzernen und anderswo. Die, die Macht haben und Verantwortung tragen (sollten) und diese nicht in ausreichendem Ma\u00dfe wahrnehmen, mehr noch, deren Gier, Machtstreben und vermutlich auch Dummheit mit dazu beitragen, dass sich vieles in die falsche Richtung bewegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zahl derer, die unter zuk\u00fcnftigen klimatischen und gesellschaftlichen Bedingungen noch gut zurechtkommen wird, wird dramatisch kleiner werden. Daf\u00fcr sorgt zus\u00e4tzlich eine Verteilung von Kapital und Ressourcen von unten nach oben. M\u00f6glichkeiten der Anpassung werden nur die Reichsten haben. Je \u00e4rmer die Menschen, desto schwieriger wird es werden, unter Hitzewellen \u00fcberhaupt zu \u00fcberleben (ganz aktuell und nah: die erschreckende Zahl der Hitzetoten in K\u00f6ln w\u00e4hrend der letzten Hitzewelle). Gerade auch f\u00fcr Menschen des globalen S\u00fcdens wird es eng, Teile des Globus werden unbewohnbar werden. Das ist kein apokalyptisches Szenario, die Daten und Prognosen liegen vor. Seit Mitte der 70er Jahre. Und selbst diese &#8222;alten&#8220; Vorhersagen haben sich bis hierher als erschreckend genau herausgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Also ja. Es mag nerven, niemand m\u00f6chte immer mit der Nase auf das gesto\u00dfen werden, was man nicht h\u00f6ren und sehen will. Das macht es aber nicht besser. F\u00fcr niemand. Manch eine(r) fl\u00fcchtet sich, wie zu Zeiten von Corona, lieber in Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen. Oder in die Abwertung der \u00dcberbringer der ungewollten Nachrichten. Wieder diese Dissonanzreduktion. Sehr Schade.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die einzige nachhaltige und tragf\u00e4hige L\u00f6sung ist, sich den Problemen zu stellen. Verhalten zu \u00e4ndern. Verantwortung, auch als Individuum, sofern m\u00f6glich zu \u00fcbernehmen. Ursachen zu beseitigen, auch wenn das eine massive Anpassung unserer westlichen Lebensweise mit einschlie\u00dft. Kapitalistische und patriarchale Strukturen sind f\u00fcr mich integraler Bestandteil des Problems. So kann und darf es nicht weitergehen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-text-subtitle is-style-text-subtitle--4 wp-block-paragraph\">Literatur<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-custom-css wp-custom-css-168f1158 wp-block-paragraph\">Bettache, K. (2026). The crisis we are not naming: The psychology of capitalism. <em>British Journal of Social Psychology<\/em>, <em>65<\/em>(1). <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1111\/bjso.70044\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1111\/bjso.70044<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-custom-css wp-custom-css-9c6195e5 wp-block-paragraph\">Fromm, E. (1976). <em>Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft<\/em>. dtv.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-custom-css wp-custom-css-52f95a70 wp-block-paragraph\">Miller, M. K., Clark, J. D., &amp; Jehle, A. (2017). Cognitive Dissonance Theory (Festinger). In G. Ritzer (Hrsg.), <em>The Blackwell Encyclopedia of Sociology<\/em> (1. Aufl., S. 1\u20134). Wiley. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1002\/9781405165518.wbeosc058.pub2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1002\/9781405165518.wbeosc058.pub2<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was treibt uns an? Worauf wollen wir, wenn unser Leben sich dem Ende neigt, zur\u00fcckblicken? Was w\u00fcrden wir tun, wenn niemand zusehen, uns bewerten w\u00fcrde? Was macht uns Freude? Was hat unsere Augen zum Leuchten gebracht, bevor wir in die Schule kamen? Sind wir, zumindest ab und an, zufrieden mit der Art, wie wir leben? 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