{"id":148,"date":"2026-06-29T23:30:15","date_gmt":"2026-06-29T21:30:15","guid":{"rendered":"https:\/\/danielmoelders.de\/?p=148"},"modified":"2026-07-06T21:18:34","modified_gmt":"2026-07-06T19:18:34","slug":"kopfsalat-part-2-maennlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/danielmoelders.de\/?p=148","title":{"rendered":"Kopfsalat, Part 2: M\u00e4nnlichkeit"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich geh\u00f6re zu den Menschen, in denen Gespr\u00e4che, Diskussionen oder auch Konflikte l\u00e4nger nachhallen. Meist im positivem Sinn, da ich Verbindung zu anderen Menschen sehr genie\u00dfe, insbesondere wenn der Kontakt von Resonanz, einem emotionalen Mitschwingen, gepr\u00e4gt ist. Ich mag Gespr\u00e4che mit Tiefe. Hier dominieren Zust\u00e4nde der Verbundenheit, des Mitgef\u00fchls, der Liebe, des \u201esich gegenseitig verstehen\u201c. Sehen und gesehen werden. Zugeh\u00f6rigkeit. Toleranz. Ich bl\u00fche innerlich auf.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manchmal passiert es aber auch, das mich ein konfliktreicher Kontakt derart belastet, das Gef\u00fchle wie Wut, Angst und Frustration, aber auch Hoffnungslosigkeit breitmachen. Neigte ich fr\u00fcher verst\u00e4rkt zur Abwehr mit Arroganz oder zum \u201eklein beigeben\u201c, versuche ich heute mir treu zu bleiben. Ruhig, aber bestimmt. Das scheint jedoch manches Gegen\u00fcber derart zu triggern, dass die Person wohl glaubt lauter werden zu m\u00fcssen, dominant und abwertend zu reagieren und scheinbar kein Interesse mehr an einem Austausch hat, in dem beide Seiten sich wohl f\u00fchlen. Ich f\u00fchle mich nicht gesehen, missverstanden, in dem Kontext, den ich gerade vor Augen habe gar als Projektionsfl\u00e4che missbraucht. Getreu dem Motto: Lautst\u00e4rke und dominantes Auftreten geben meinen Worten mehr Gewicht. Sprich: Ich wei\u00df wovon ich rede, du hast keine Ahnung. Meist, oder eigentlich immer?!, sind diese Personen m\u00e4nnlich. Daher spare ich mir hier das Gendern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich vermute viele Frauen kennen solche \u201eGespr\u00e4che\u201c (eigentlich sind es keine, da der m\u00e4nnliche Part dann eher mit einem Spiegel spricht bzw. mit seinen gekr\u00e4nkten inneren Anteilen). Manche erleben diese Form des Kontakts in ihren Beziehungen vielleicht t\u00e4glich. Einigen bleibt vielleicht sogar nur der schmerzliche Verlust, nie wirklich emotionale Verbundenheit mit dem Mann in der Familie zu erleben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verbundenheit kommt ohne Hierarchie aus, Dominanz ist ein Gift im Zwischenmenschlichen. Resonanz entsteht dort, wo Empathie und Mitgef\u00fchl auf Augenh\u00f6he Raum gegeben wird. Wo ich sein kann und darf, wie ich m\u00f6chte. Ohne Angst vor Abwertung. Ich glaube, diese Momente sind rar. Zumindest unter bzw. mit M\u00e4nnern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Regel kommt man gegen derartiges Verhalten nur schwer bis gar nicht an, legt man sich als Gegen\u00fcber doch mit einem verletzten und gekr\u00e4nkten Ego an, dass jedes weitere Argument, jedes ruhige Dagegenhalten als zus\u00e4tzliche Selbstwertbedrohung identifizieren und mit Abwehrmechanismen zu reagieren versuchen wird. Und die sind in der m\u00e4nnlichen Sph\u00e4re eben oft Dominanz, Abwertung, Manipulation, Gaslighting.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gelingt des Spagat doch und man erreicht wieder Verbindung, hat erfolgreich deeskaliert, so hat man oft die Emotionsarbeit des Gespr\u00e4chspartners \u00fcbernommen. Gl\u00fcckwunsch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber ist das nicht etwas zu einfach, holzschnittartig? Ganz bestimmt sogar. Und nat\u00fcrlich gibt es Frauen, die sich \u00e4hnlich verhalten, wie der von mir vereinfacht dargestellte Mann. Ich glaube nur, dass derartige Verhaltensweisen eher bei M\u00e4nnern anzutreffen sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stop! H\u00f6re ich einen Teil in mir rufen: Du sagst doch regelm\u00e4\u00dfig, dass sich Frauen und M\u00e4nner in ihrem Wesen eigentlich gar nicht so un\u00e4hnlich sind, das die Gesellschaft viele Unterschiede zwischen Mann und Frau akzentuiert, hervorhebt. Stereo-typisiert. Und jetzt machst Du dasselbe?! Genau. Und ich sehe darin keinen Widerspruch. Denn das ist f\u00fcr mich der Unterschied zwischen dem biologischen und dem sozialen Geschlecht. Eben weil wir \u00fcber Verhaltensweisen denken, sie seien typisch m\u00e4nnlich oder weiblich, blenden wir unsere gemeinsame biologische Grundlage aus. Nat\u00fcrlich gibt es in unserer physiologischen Beschaffenheit Unterschiede, aber erkl\u00e4ren diese auch differentielles Verhalten? Ich glaube im Gro\u00dfen und Ganzen: Nein! (und da habe ich die Empirie auf meiner Seite) Warum definieren wir Empathie und Mitgef\u00fchl als weiblich? Wieso ist \u201eRationalit\u00e4t\u201c, Durchsetzungsverm\u00f6gen, H\u00e4rte oder auch F\u00fchrung klassisch m\u00e4nnlich? Und das schlimmste: Warum bauen wir um diese Eigenschaften und Verhaltensweisen eine Hierarchie? Wieso denken viele (ich konnte es selbst kaum glauben, bis ich es k\u00fcrzlich mehrfach in Gespr\u00e4chen h\u00f6rte!), dass die Welt ohne diese typisch m\u00e4nnlichen Verhaltensweisen in Politik und Wirtschaft nicht funktionieren w\u00fcrde? Das das Feminine ja nett und wichtig sei, f\u00fcr die Weltb\u00fchne aufgrund der Weichheit aber nicht tauge? Wieso stellen wir das eine \u00fcber das andere? Die Antwort ist f\u00fcr mich so einfach einfach wie vorhersehbar: weil die patriarchalen Strukturen, in denen wir leben, es so definieren. Wir uns dort eingerichtet haben. Generationen, die so oder \u00e4hnlich gelebt haben, m\u00fcssen doch wohl recht haben?! Und weil M\u00e4nner davon profitieren, weil der Selbstwert vieler es einfach nicht aush\u00e4lt, wenn das, was als typisch m\u00e4nnlich gesehen war oder wird, pl\u00f6tzlich als defizit\u00e4r oder falsch gelten soll. M\u00e4nner sind der Hemmschuh bei Ver\u00e4nderung. M\u00e4nnern steht das eigene fragile Ego im Weg. Wir stellen Konkurrenz und Machtstreben \u00fcber Mitgef\u00fchl und F\u00fcrsorge und halten es nicht aus, wenn man uns sagt, das das Weiche, das Mitf\u00fchlende, die Zusammenarbeit, der Ausgleich, eigentlich die Verhaltensweisen sind, die evolution\u00e4r weiter entwickelt sind. Wir haben uns ein ganzes System gebaut, dass rund um den Mann und seine angeblich \u00fcberlegene Denk- und Verhaltensstruktur gebaut ist. Politik, Wirtschaft, Verwaltung. Das Bild: der Mensch ist ein defizit\u00e4res Wesen und muss kontrolliert werden. Leistung muss belohnt, \u201eMinderleistung\u201c bestraft werden. Ohne externe Reize w\u00fcrde der Mensch und die Gesellschaft verkommen. Konkurrenz sei der Motor des Menschen, Leistung zu bringen. Leistung wird in diesem Sinne mit Macht belohnt, zementiert Strukturen, die sich einer Ver\u00e4nderung entziehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allein dar\u00fcber g\u00e4be es noch viel zu schreiben, ich m\u00f6chte nur soweit einen Impuls setzen: Der Mensch ist intrinsisch motiviert, beizutragen. Etwas zu tun. F\u00fcr sich und andere, wenn seine Bed\u00fcrfnisse nach nach Autonomie, Kompetenz und sozialer Eingebundenheit in angemessener Weise befriedigt sind. Keine H\u00e4rte, kein Druck, keine bedingte Wertsch\u00e4tzung. Keine Hierarchie, keine Machtaus\u00fcbung. Bed\u00fcrfnisbefriedigung ist das Zauberwort. Wer dies nachlesen m\u00f6chte, dem sei die Selbstbestimmungstheorie nach Deci und Ryan empfohlen (Ryan &amp; Deci, 2000).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wieso k\u00f6nnen wir nicht kritisch hinterfragen, was M\u00e4nnlichkeit eigentlich ausmacht bzw. ausmachen sollte, ohne das der Selbstwert (von M\u00e4nnern) derart leidet? Auch hier hilft ein Blick in die Forschung: Vandello et al., 2008 haben sich in ihrer Studie \u201ePrecarious Manhood\u201c einer \u00e4hnlichen Frage gewidmet und Antworten gefunden, best\u00e4tigt durch eine aktuelle Meta-Analyse (Lorenz et al., 2026): Sie untersuchten kognitive Repr\u00e4sentationen von M\u00e4nnlichkeit und stellten dabei fest, das die Zuschreibung von &#8222;m\u00e4nnlich&#8220; verdient werden m\u00fcsse und deswegen auch wieder aberkannt werden k\u00f6nne. Der Mann also als Bed\u00fcrftiger, als Getriebener, sich und anderen immer und immer wieder beweisen zu m\u00fcssen, dass er &#8222;ein Mann&#8220; ist. St\u00e4ndig auf der Suche nach Validierung und Best\u00e4tigung. M\u00e4nnlichkeit als &#8222;unsicherer Status&#8220;. Der Studie zufolge erzeugt ein Infrage stellen des Selbstbilds als Mann Unwohlsein, welches sich in Angst und Aggression zeigt. Als ich das las, f\u00fcgten sich etliche Puzzleteile in meinem Kopf. Wenn das die Erkl\u00e4rung f\u00fcr die oft gesehene m\u00e4nnliche D\u00fcnnh\u00e4utigkeit w\u00e4re? Den Reflex, aggressiv den eigenen Standpunkt verteidigen zu m\u00fcssen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anders im \u00dcbrigen bei Frauen: Leiden sie zwar \u00fcberproportional unter den Folgen patriarchaler Strukturen, so ist ihre Geschlechtsidentit\u00e4t in der Gesellschaft allerdings mit einer Art Geburtsrecht verbunden. Frau ist sie durch das einfache Sein, ohne dies \u201ebeweisen\u201c zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sch\u00f6n. Und Jetzt? Kommen wir da raus? Wollen wir das \u00fcberhaupt? Vielleicht in Teilen, zumindest zeigt sich unter dem Wahlverhalten junger Frauen doch sehr klar, das Ver\u00e4nderung bei den Fragen Geschlechtergerechtigkeit und Gleichstellung gew\u00fcnscht ist. Ganz anders hingegen unter vielen jungen M\u00e4nnern, die sich, vermutlich ihren Selbstwert sch\u00fctzend, an konservative, teils rechtsradikale Werte klammern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als man mir k\u00fcrzlich ziemlich aggressiv versuchte einzureden, die Menschen wollten nun mal eine konservative Politik und das habe man zu akzeptieren, regte sich bei mir etwas. Nicht so sehr wegen des Inhalts der Botschaft (die zu zerpfl\u00fccken ist einen eigenen Beitrag wert), sondern wegen der Art und Weise, wie diese vorgetragen wurde. Hier versuchte jemand seinen Selbstwert zu sch\u00fctzen. Die Person war in Not. Vielleicht sah er das Bild von sich, den Lebensweg, das Erreichte, die Arbeit und Leistung, die dahintersteht, bedroht. Zwar hatte ich ihm das nicht abgesprochen, ich kann aber verstehen, das gesellschaftliche Ver\u00e4nderung Angst erzeugt und die habe ich, wie so oft, angemahnt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele M\u00e4nner klammern sich an Erreichtes. An Leistung. An stereotype Selbstbilder. An die Vergangenheit. An die Anpassung, die man zu viele Jahre betrieben hat. Dieses Klammern kann kurzfristig Selbstwert erzeugen, macht diesen aber fragil und anf\u00e4llig f\u00fcr Kritik. Wenn ich an etwas festhalte, bin ich darauf angewiesen, dass es sich nicht ver\u00e4ndert oder umgedeutet wird. Ver\u00e4nderung wird zur Bedrohung, erzeugt Angst. Andere Meinungen werden zur Anklage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele M\u00e4nner kennen das, ich nehme mich hier nicht aus. Es ist anstrengend, in diesem Hamsterrad zu stecken. Aber mal ehrlich: Wir als M\u00e4nner haben es selbst in der Hand. Wir tragen die Verantwortung f\u00fcr uns selbst, nicht die Gesellschaft, und schon gar nicht Frauen, auf denen vielfach die mentale und emotionale Belastung ganzer Familien liegt. Die Hierarchie, die viel zu lange zwischen Mann und Frau aufrechterhalten wurde, um das m\u00e4nnliche Ego zu sch\u00fctzen hat vor allem auf weiblicher Seite zu viel Leid erzeugt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wir d\u00fcrfen loslassen. Erwartungen, die nie die unseren waren. Stereotype und Rollenbilder, denen wir glaubten, entsprechen zu m\u00fcssen. Schei\u00df drauf. Du und ich, wir m\u00fcssen keinem Bild von einem Mann entsprechen, dass wir uns nicht selbst ausgesucht haben. Ich m\u00f6chte nicht mit einem Stereotyp verglichen und daran gemessen werden. Mit \u201eden M\u00e4nnern\u201c in einen Topf geworfen werden. Ich kann verstehen, dass sich viele in der einfachen Zuschreibung von \u201em\u00e4nnlich\u201c und \u201eweiblich\u201c nicht mehr gesehen und repr\u00e4sentiert f\u00fchlen. Die Realit\u00e4t ist meist komplexer als diese beiden Pole. Ich m\u00f6chte empathisch und mitf\u00fchlend sein, mich k\u00fcmmern um Familie und Freunde. Tiefe Gespr\u00e4che f\u00fchren. Eine Bandbreite von Emotionen zeigen. Und der Abgekl\u00e4rtheit, dem ewigen Smalltalk zwischen M\u00e4nnern eine Absage erteilen. Auch als biologischer Mann, der sich vereinfachender Zuschreibungen entzieht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich glaube, dass die autorit\u00e4re Ver\u00e4nderung, die wir momentan in der Welt beobachten, der Backlash, eine Folge des kleinen m\u00e4nnlichen Egos ist. Das ist so armselig. So Schwach. So durchschaubar. So bed\u00fcrftig. Wir st\u00fcrzen uns in Kriege, Genozide, halten Konflikte aufrecht. Schreien nach St\u00e4rke, Macht und H\u00e4rte. W\u00fcnschen uns autorit\u00e4re Anf\u00fchrer. Und nennen es auch noch \u201enotwendig\u201c, behaupten, das die Welt nun mal so sei, dem m\u00fcsse man sich stellen. Dabei ist all das von uns gemacht, aus einer patriarchalen Sichtweise. Das positive: was wir als Menschen schaffen, ist ver\u00e4nderbar. Es gibt kein Naturgesetz, dass die Welt so funktionieren muss, wie sie es aktuell (nicht mehr) tut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei h\u00e4tten wir es anders machen k\u00f6nnen. Nach dem zweiten Weltkrieg schufen wir die Verneinten Nationen, Menschenrechte wurden erkl\u00e4rt. Aber wir gingen nicht an die zentrale Funktionsweise unserer Gesellschaften und \u00d6konomien. Konkurrenz und Wettbewerb blieben die Triebfedern unserer Gesellschaft. Wohlstand wurde rein monet\u00e4r definiert und so bis heute gemessen. Im Einklang mit vielen AutorInnen, deren B\u00fccher ich in letzter Zeit lesen durfte, frage ich: Warum schufen wir ein kapitalistisches System, das Mangel, Konkurrenz und Wettbewerb, aufbauend auf einem defizit\u00e4ren Menschenbild, f\u00fcr wichtiger h\u00e4lt als Mitgef\u00fchl, Empathie, Zusammenarbeit und gemeinschaftliches handeln? Heute w\u00fcrde ich sagen: Entgegen dem Wissen \u00fcber das menschliche Wesen und dessen Bed\u00fcrfnissen? F\u00fcr mich erkl\u00e4ren patriarchale Strukturen all das so gut. Das M\u00e4nnliche stellt sich \u00fcber das Weibliche und definiert damit, das dessen Narrative, Werte und Verhaltensweise den feministischen vorzuziehen sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es scheint ein un\u00fcberwindliches Hindernis. Wir m\u00f6gen sp\u00fcren, das es so in vielerlei Hinsicht nicht weitergeht, verweigern aber vehement jede Ver\u00e4nderung in Richtung (feministischer) Alternativen. Versuchen wir es doch, nutzen wir altbekannte Strategien und Muster, die uns fr\u00fcher vielleicht einmal n\u00fctzlich waren, bisher die Dinge \u201eam Laufen\u201c hielten. Albert Einstein erkannte dies:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise l\u00f6sen, durch die sie entstanden sind<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir d\u00fcrfen und sollten also neue Wege gehen. F\u00fcr mich beginnen diese in der Erkenntnis, dass wir unsere eigenen (m\u00e4nnlichen) Muster hinterfragen. Uns f\u00fcr Ver\u00e4nderung \u00f6ffnen, ohne dies als Angriff oder Bedrohung f\u00fcr unseren Selbstwert zu betrachten. Wir d\u00fcrfen uns ver\u00e4ndern und ich glaube, dass viele mir, nachdem die Schnappatmung nachgelassen hat, recht geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht w\u00e4ren Vorbilder hilfreich, die das Mann sein an Verhaltensweisen kn\u00fcpfen, die den g\u00e4ngigen Stereotypen entgegenstehen. M\u00e4nner, die Care-Arbeit \u00fcbernehmen und daf\u00fcr auf Macht, Geld und Erfolg verzichten. M\u00e4nner, die emotional verf\u00fcgbar sind. F\u00fcr Ihre PartnerInnen und Kinder. M\u00e4nner, die in der Lage sind, ihre eigenen Emotionen zu regulieren und daf\u00fcr nicht auf ihre PartnerInnen angewiesen sind. Die Verantwortung au\u00dferhalb des Berufs \u00fcbernehmen. M\u00e4nner, f\u00fcr die Gewalt keine L\u00f6sung ist und die f\u00fcr Frauen und Kinder keine Bedrohung darstellen\u2026die Liste lie\u00dfe sich fortf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht fehlt es an (sichtbaren) Vorbildern. Oder anders: Es gibt sie, doch sie sind nicht so pr\u00e4sent, denn sie sind oft leiser, weniger dominant und widerstehen der Versuchung, aus (\u00f6ffentlichen) Diskussionen und Konflikten als Sieger hervorgehen zu m\u00fcssen. Nicht weil sie es nicht k\u00f6nnten, sondern weil ihr Ego diese Form der \u00f6ffentlichen B\u00fchne und der dauernden Best\u00e4tigung schlicht nicht mehr braucht. Auch der S\u00e4nger Mika besingt in einem seiner Songs das schmerzliche Fehlen von Vorbildern:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Where have all the good guys gone?<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich glaube sie sind da. Wir brauchen nur den Fokus zu \u00e4ndern. Und vielleicht unsere Einstellung, unsere Werte. Die Art, wie wir Jungen erziehen, bedarf dazu eines grundlegenden Resets. Bell Hooks beschreibt sehr einf\u00fchlsam, wie bei verspielten, fr\u00f6hlichen und emotional ausdrucksstarken Jungen h\u00e4ufig ab dem Alter von 6 oder 7 die Leichtigkeit des Lebens der H\u00e4rte, sich und anderen gegen\u00fcber, weicht. Wie Rollenbilder meist von den eigenen V\u00e4tern auf die Heranwachsenden \u00fcbertragen werden. Das d\u00fcrfen und sollten wir hinter uns lassen. Es ist nicht unsere Aufgabe, Jungen (und auch M\u00e4dchen) nach unseren Vorstellungen zu formen. Wir sind keine Bildhauer und Kinder keine rohen Felsen, die es mit Gewalt zu formen gilt. Wir d\u00fcrfen auch einfach nur stauen, welche Eigenschaften und Wunder sich mit sanfter Begleitung von alleine entfalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Queen beschrieb diesen Wunsch, ja die Notwendigkeit die Liebe \u00fcber veraltete Muster zu stellen in \u201eheaven for everyone\u201c so wunderbar einfach und klar:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">we should bring love to our daughters and sons<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Make it so.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"is-style-text-subtitle is-style-text-subtitle--1 wp-block-paragraph\">Literatur<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-custom-css wp-custom-css-096a4e47 wp-block-paragraph\">Lorenz, L. L., H\u00fcther, L., Steffens, M. C., Niedlich, C., Wesnitzer, H., &amp; Kachel, S. (2026). Masculinity Threat in Heterosexual Men: A Comprehensive Meta-Analysis of Experimental Research with Recommendations for Future Theory Building and Research Practice. <em>Personality and Social Psychology Review<\/em>, 1-27. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/10888683261433109\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1177\/10888683261433109<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-custom-css wp-custom-css-22940d6b wp-block-paragraph\">Ryan, R. M., &amp; Deci, E. L. (2000). Self-determination theory and the facilitation of intrinsic motivation, social development, and well-being. <em>American Psychologist<\/em>, <em>55<\/em>(1), 68\u201378. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1037\/0003-066X.55.1.68\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1037\/0003-066X.55.1.68<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-custom-css wp-custom-css-656ae5d9 wp-block-paragraph\">Vandello, J. A., Bosson, J. K., Cohen, D., Burnaford, R. M., &amp; Weaver, J. R. (2008). Precarious manhood. <em>Journal of Personality and Social Psychology<\/em>, <em>95<\/em>(6), 1325\u20131339. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1037\/a0012453\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1037\/a0012453<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich geh\u00f6re zu den Menschen, in denen Gespr\u00e4che, Diskussionen oder auch Konflikte l\u00e4nger nachhallen. Meist im positivem Sinn, da ich Verbindung zu anderen Menschen sehr genie\u00dfe, insbesondere wenn der Kontakt von Resonanz, einem emotionalen Mitschwingen, gepr\u00e4gt ist. Ich mag Gespr\u00e4che mit Tiefe. Hier dominieren Zust\u00e4nde der Verbundenheit, des Mitgef\u00fchls, der Liebe, des \u201esich gegenseitig verstehen\u201c. 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